Fallbeispiel 1 – Sie besitzen einen DSA-Prüferschein der Bundeswehr

Sie dürfen als Inhaber eines Bw-Prüferscheins
Angehörige der Bundeswehr prüfen,
innerhalb der Bundeswehr,
wenn die Prüfung durch den Dienstplan oder den zuständigen Vorgesetzten angeordnet wurde.

Die im Bereich der Bundeswehr abgelegten Prüfungen sind in den vorgeschriebenen Unterlagen (Sportleistungsblatt, DSA-Prüfkarte)

a) von einem der Prüfer/-innen ordnungsgemäß einzutragen und durch seine/ihre Unterschrift unter Beifügung der Nummer des Prüferausweises zu bescheinigen,
b) von den Dienststellenleitern der Bundeswehr durch Dienstsiegel und Unterschrift dahingehend zu beglaubigen, dass
  es sich um Prüfungen im Bereich der Bundeswehr handelt,
  die Unterschriften der Prüfer/-innen ordnungsgemäß geleistet wurden,
  die angeführten Prüfnummern mit denen der Prüferausweise übereinstimmen.

Rechtsgrundlage: Deutsches Sportabzeichen (DSA) – Durchführungsbestimmungen für den Bereich der Bundeswehr, veröffentlicht im Erlass 2013-15, FüSK II 5 - Az 32-13-02 vom 17.04.2013.

Dieser Erlass wurde mit Einführung der ZentrV A1-224/0-1 durch die Bundeswehr außer Kraft gesetzt. Da an seiner Stelle explizit keine Neuregelung erfolgte, gilt gem. o.a. ZentrV das Regelwerk des DOSB, veröffentlicht im Prüfungswegweiser in der jeweils gültigen Fassung.


Das bedeutet im Klartext:
  Ein Bw-Prüferschein kommt generell ausschließlich zum Einsatz nach dem Motto  

"Bw-Angehörige prüfen Bw-Angehörige – im Dienst – auf Befehl"


Der Bw-Prüferschein bietet – nach gültiger Rechts- und Erlasslage – keinen Raum für
Prüfung von Nicht-Angehörigen der Bundeswehr (Zivilisten, Ausländer, auch ausl. Soldaten !!!)
Prüfung außerhalb des Dienstes, z.B. in der Freizeit
Prüfung innerhalb des Dienstes ohne Anordnung des zuständigen Vorgesetzten

Diese Regelungen haben keinen Einfluss auf den Ort der Prüfung und gelten innerhalb der Bundesrepublik Deutschland wie im Ausland gleichermaßen.


In der ZentrV A1-224/0-1 findet sich folgende Formulierung:

Der DOSB überträgt der Bw im Einvernehmen mit dem DBS und dem BMVg... die Abnahme der Prüfungen zum Erwerb des DSA für Angehörige verbündeter und befreundeter SK im In- und Ausland.

Hierzu ist festzustellen, dass der DOSB dieser Regelung zu keinem Zeitpunkt zugestimmt hat und dieser Passus durch die Bundeswehr einseitig in die Vorschrift aufgenommen wurde. Im Ergebnis bedeutet dies, dass dieser Passus unwirksam ist und für den DOSB keine Gültigkeit besitzt! Als Quellenangabe diente hierzu ein sog. Eckpunktepapier, in dem eine derartige Regelung durch den DOSB - unter besonderen Auflagen - für die Zukunft in Aussicht gestellt wurde. Diese Auflagen wurden aber seitens der Bundeswehr nicht erfüllt und diese Regelung somit nicht ratifiziert.





Fallbeispiel 2 – Sie besitzen einen zivilen Prüferschein eines Landessportbundes

Als Inhaber eines zivilen Prüferscheines können Sie in Ihrer Freizeit (also außerhalb des Dienstsports) in Deutschland tätig werden. Im Dienstsport der Bundeswehr (ortsunabhängig) kommt ausschließlich der Bw-Prüferschein zum Einsatz.

Sie können ermächtigt werden, in Frankreich Prüfungen außerhalb des Dienstes (z.B. in einem Sportverein oder bei Angehörigen der französischen Armee) durchzuführen, wenn die Durchführung durch den Beauftragten für das Deutsche Sportabzeichen in Frankreich genehmigt worden ist – und nur dann! Eine derartige Genehmigung kann durch Vorgesetzte der Bundeswehr weder erteilt werden, noch kann eine solche Durchführung befohlen werden.

Sie dürfen als Inhaber eines zivilen Prüferscheins
grundsätzlich alle Personen (auch Nicht-Angehörige der Bundeswehr) prüfen
grundsätzlich nur in Deutschland, ansonsten benötigen Sie die Prüfberechtigung Ausland
falls Sie in Frankreich außerdienstlich tätig werden – oder Nicht-Angehörige der Bundeswehr prüfen wollen, dann nur unter Anwendungen der besonderen Richtlinien für Frankreich und nach Genehmigung durch den Beauftragten



Fallbeispiel 3 – Prüfung von Angehörigen der französischen Streitkräfte o.Ä.

Bestimmte Einheiten und Verbände der französischen Streitkräfte fragen immer wieder bei Bw-Dienststellen in Frankreich an, ob man denn nicht eine DSA-Abnahme für französische Soldaten organisieren könne. Solche Aktionen fördern den Zusammenhalt unter Kollegen, dienen der Kameradschaft und sind zugleich eine gute Werbung für das Deutsche Sportabzeichen in Frankreich.

In den letzten Jahren wurde leider ein zunehmender Missbrauch im Zusammenhang mit DSA-Prüfungen im Ausland festgestellt. In Frankreich hat dieser Missbrauch inzwischen eine Dimension angenommen, die den DOSB dazu veranlasst hat, speziell für Frankreich neue und sehr eng gefasste Sonderregelungen zu erlassen.

Daraus ergibt sich für Sie – als Bw-Angehöriger in Frankreich – Folgendes:

Als Inhaber eines zivilen Prüferscheines können Sie unter Anwendung der Besonderen Richtlinien für Frankreich tätig werden. Anträge auf Durchführung von Veranstaltungen sind gemäß den Vorgaben fristgerecht unter Angabe der geforderten Informationen zu stellen. Die Durchführung einer Veranstaltung bedarf der schriftlichen Genehmigung durch den Beauftragten.
Als Inhaber eines Bw-Prüferscheines können Sie jederzeit gem. o.g. Vorschrift im Rahmen des Dienstsports tätig werden und Angehörige der Bundeswehr prüfen. Die Einschaltung des Beauftragten ist hierzu nicht erforderlich. Es gelten die gleichen Regelungen wie bei einem Dienstort in Deutschland.
Als Inhaber eines Bw-Prüferscheines können Sie – unter bestimmten Voraussetzungen und ausnahmsweise – auch Nicht-Angehörige der Bundeswehr prüfen, wenn die Kameradschaft und die guten Beziehungen zu Dienststellen der französischen Streitkräften dies gebieten.

Obgleich Ihr Bw-Prüferschein dazu eigentlich keine Grundlage bietet, ist der Beauftragte bereit, die Umstände einer solcher Veranstaltung zu prüfen und ggf. eine Ausnahmegenehmigung zu erteilen. Nehmen Sie hierzu unbedingt rechtzeitig Verbindung mit dem Beauftragten auf und schildern Sie – möglichst ausführlich – Ihr Vorhaben. Geben Sie eine Telefonnummer (Festnetz) und Ihre beste Erreichbarkeit für Rückfragen an.

Die Nichtbeachtung der o.g. maßgeblichen Regelungen stellt für Angehörige der Bundeswehr

bei Nutzung eines BW-Prüferscheines ein Dienstvergehen dar und wird bei Bekanntwerden an die übergeordnete höhere Kommandobehörde der Bundeswehr gemeldet.
bei Nutzung eines zivilen Prüferscheines einen Verstoß gegen die Bestimmungen des DOSB dar und wird bei Bekanntwerden durch den Beauftragten untersucht und mündet ggf. in der Annulierung des Prüferscheines; eine vorsätzliche Falschbeurkundung wird zur Prüfung an die zuständige Staatsanwaltschaft abgegeben.

Sie werden vielleicht denken "harte Worte", aber die Ereignisse der letzten Jahre haben dies notwendig gemacht.

Merke: Die Nutzung des Bw-Prüferscheines in Frankreich dient grundsätzlich nur für Abnahmen im Dienstsport der bundeswehr, damit auch Bw-Angehörige im Ausland jährlich ihr DSA ablegen können. Alles andere fällt in den Bereich der Ausnahmen!

Bei allen Fragen oder Unklarheiten zu DSA-Abnahmen in Frankreich steht Ihnen der Beauftragte gerne zur Verfügung. Zur Vermeidung von Friktionen fragen Sie besser zweimal zu viel, als einmal zu wenig.